„Where the children sleep“ mit Fotos von Magnus Wennman (Rezension)

Rezension von Natascha Stevenson

where the children sleepSeit fünf Jahren lastet die harte Realität des syrischen Krieges auf zerbrechlichen Kinderschultern, die von so etwas wie einer ruhigen Nacht nur träumen können. Eine Unterstützung, die die mehr als zwei Millionen Kinder verdient hätten, erreicht tatsächlich leider nur die Allerwenigsten. Früher oder später müssen wir für diese Kinderseelen Verantwortung übernehmen, falls wir es jetzt versäumen. Denn es liegt in der Aufgabe der Erwachsenen, Kindern Schutz zu bieten. Wie unmöglich die Umstände dies allerdings aktuell machen, zeigt dieser Bildband von Einzelschicksalen. Es handelt sich um junge hilflose Opfer, deren Welt aus den Fugen geraten zu sein scheint.

„They have left their friends, their homes, and their beds behind. A few of these children offered to show us where they sleep now, when everything that once was no longer exists.“

Übersetzung: Sie haben ihre Feunde, ihr Zuhause, und ihre Betten hinter sich gelassen. Ein paar dieser Kinder haben uns gezeigt, wo sie jetzt, wenn alles Frühere nicht mehr existiert, schlafen.

Jedem der 26 Flüchtlingskinder, im Alter von 1 bis 17 Jahren, wird in diesem Buch ein großes Foto gewidmet. Die Bilder drücken die Verängstigung der schutzlosen Kinder oder Kleinkinder aus, die in den meisten Fällen draußen oder drinnen auf dem Boden schlafen. Manche blicken mit großen Augen direkt in die Kamera, während Andere vor Erschöpfung und Übermüdung, Verletzung oder Krankheit abgewand daliegen. Solche Aufnahmen rütteln den Sinn für Menschlichkeit und Mitgefühl wieder in uns wach, den manche oft vernachlässigen. Die aussagekräftigen Fotos sind farblich wie in einen schwarzen Grundton getaucht, der die Stimmung und die in der Luft liegende Angst und Traurigkeit sichtbar macht.

Alle 24 Bilder werden mit einem kurzen Text beschrieben, der Auskunft über das individuelle Schicksal des abgebildeten Kindes gibt, das sich nichts weiter als einen sicheren Schlafplatz wünscht:

where the children sleep 1
Foto von Magnus Wennman

„Ralia, 7 years old
Rahaf, 13 years old
BEIRUT, LEBANON. Ralia and Rahaf live on the streets of Beirut. They are from Damascus, where a grenade killed their mother and brother. Along with their father, they have been sleeping there roughly for a year. They huddle close together on their cardboard boxes. Rahaf says she is scared of „bad boys,” and Ralia starts crying.“

Übersetzung:

Ralia, 7 Jahre alt
Rahaf , 13 Jahre alt
Beirut, Libanon. Ralia und Rahaf leben auf den Straßen Beiruts. Sie kommen aus Damaskus, wo eine Granate die Mutter und den Bruder tötete. Seit ungefähr einem Jahr haben sie dort mit ihrem Vater zusammen geschlafen. Sie liegen dichtgedrängt auf ihren Pappkartons. Rahaf sagt sie habe Angst vor „bösen Jungs“, und Ralia beginnt zu weinen.

Kinder sind das Morgen und die Unschuldigsten unter uns. Wenn wir ihnen kein Zuhause geben, werden wir eines Tages vielleicht auch keines mehr haben – dies wäre zumindest die logische Schlussfolgerung nach dem Gesetz von Resonanz, Spiegelung, Karma, oder wie man es nennen möchte. Wenn Kinder unsere Zukunft sind…für welche Zukunft entscheiden wir uns dann also?

Der schwedische Fotojournalist Magnus Wennman, einem der Besten seiner Branche,  schreibt über die traurige Wahrheit:

„From my experience, it takes a lot for a child to stop being a child, to stop playing and laughing; but in some cases, it felt like these children had to grow up too fast and become adults.“

Übersetzung: Nach meiner Erfahrung braucht es viel, damit ein Kind aufhört Kind zu sein, aufhört zu spielen und zu lachen; aber in manchen Fällen fühlte es sich so an, als ob diese Kinder zu schnell groß und erwachsen werden mussten.

Die Wanderausstellung „Where the children sleep“ ist ein gemeinschaftliches Projekt des Profi-Fotografen Magnus Wennman, einer schwedischen Zeitung und eines schwedischen Fotomuseums, sowie des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen.

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