„Vom endlichen Weg“ von Heinz Espabad (Rezension)

Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Connection. Rezension von Monika Herz

vom endlichen WegDie Weisheit der Sufis sei sogar älter als der Islam, dessen mystischer Zweig der Sufismus sei, so hörte ich einmal. Die Sufis hätten sich zwar dem Islam angeschlossen, ihr Weg aber hätte sich dabei nicht wesentlich verändert. Was also ist ein Sufi? Heinz Espabad Kindl antwortet: Das ist einer, der sich nach Freiheit sehnt.

Was macht ein Sufi, um die Freiheit zu erlangen? Ein Sufi atmet mit, in und durch Allah, ein Sufi tanzt mit, in und durch Allah, und ein Sufi singt für, mit, durch und in Allah. So weitet sich das Herz eines Sufi – bis es schließ lich Allah ganz und gar in sich aufnehmen kann. Heinz Espabad Kindl erzählt, was einem Sufi auf dem Weg begegnet: das universale Heilige, die goldene Mitte, die immerwährende Präsenz und der offene Raum, Erfüllung und Befreiung. Das ist aber nicht alles, denn es warten auch Krisen, Ängste und Schmerzen, schwierige Aufgaben und der Tod am Wegesrand.

Wie begegnet ein Sufi dem einen wie dem anderen? Ein Sufi atmet, singt und tanzt mit dem offenen Raum und der ewigen Liebe Allahs ebenso wie mit dem Schmerz und dem Tod. Das ist der Weg der Sufis. Wie genau atmet singt und tanzt ein Sufi? Heinz Kindl erklärt es in seinem Buch. Ein Sufimeister wie er hat hunderte von Übungen im Köcher, eine überschaubare Anzahl davon stellt er hier vor. Er wählt acht große Themen, sagt, was er dazu zu sagen hat und gibt mir jeweils eine Übung mit auf den Weg. Ein Beispiel: Das erste Thema ist »Wahrheit und Ekstase«, und die Übung ist »Allahu«. Die Übung hat zwei Aspekte, nämlich den Klang der Worte und die Bewegung. Die Bedeutung des Wortes Allah ist allgemein bekannt. Im Christentum würde man »Gott« dazu sagen, die beiden Religionen entspringen ja derselben Quelle, zwei einander ähnlichen Sprachen und derselben Wüstengegend. Im Hebräischen deutet die Silbe »Al« oder »El« auf den Ursprung, von wo der Mensch gekommen ist. Vielleicht könnte man sagen, auf »das All«, das Unendliche und Ewige, das Gefüge aus Raum und Zeit. Die Silbe »Ah« kenne ich auch aus dem Sanskrit, sie bedeutet etwa »Das, was ist« – oder auch »Es ist, wie es ist«.

Kann gut sein, dass die uralten Sprachen näher miteinander verwandt sind, als wir annehmen möchten. Was aber bedeutet »Hu«? Mein Sufimeister André Shanti nennt Hu den geheimen Namen Allahs. Der Überlieferung nach hat Allah 99 Namen – und eben jenen hundertsten Namen, den geheimen Namen. Wie kann etwas geheim sein, wenn es doch von den Sufis jedem bekannt gemacht wird, der das Geheimnis wissen will? Womöglich ist es das Wesen Allahs, dass das Geheimnis in Wahrheit überhaupt kein Geheimnis ist, sondern vollkommen offen vor uns liegt. In jedem Moment, in jedem Ding, in jedem Ton, in jedem Atemzug, in jedem Schritt. Wie wunderbar! Wie unbegreiflich! Wenn wir auf dem mystischen Weg wandern, dann wird die paradoxe Wahrheit das Denken in uns eines Tages ergreifen und es ersetzen durch ein klares, leuchtendes Wissen, das keine Worte hat. Wenn dieses Wissen, das nichts mit Denken zu tun hat, Worte hätte, dann wären es die Worte »Allahu«! Und so geht es immer weiter auf dem ewigen und endlichen Weg, und die Übungen von Heinz Espabad Kindl sind wie hilfreiche Geister, die mit uns zusammen mal so, mal anders das Namenlose preisen und dazu tanzen. Wie wunderbar!

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