„Trauerbegleitung mit Märchen“ von Jana Raile (Rezension)

Rezension von Natascha Stevenson

Trauerbegleitung mit märchen

Dieses Buch hält, was es verspricht. Es bietet Betroffenen sowie Betreuern Anleitung und Material für eine solide und sogleich unkomplizierte Trauerbegleitung. Die Autorin Jana Raile ist schon seit 1992 Expertin auf dem Gebiet des Geschichtenerzählens und zeigt auf, wie wir im Märchen eine Lebenshilfe für Sterbe- oder Trauerprozesse finden können.

„Trauerbegleitung mit Märchen“ enthält 13 Themenbereiche mit jeweils einem dazugehörigen Märchen, 13 weitere Märchen mit jeweils analytischen „Gedanken“ und einer „Übung“ dazu, und zuletzt noch einmal 13 kurze, prägnante Märchen mit knapper Analyse darunter. Ist die Zahl 13 womöglich nicht zufällig gewählt, sondern symbolisch gemeint? – Könnte man sich fragen. Gut möglich, denn Symbolbilder sowie auch Seelenbilder spielen für Jana Raile in der Arbeit mit Märchen eine große Rolle, da sie aus sich selbst heraus auf den Menschen wirken, ohne dass dieser bewusst etwas dazu tun muss. Nach diesem Prinzip gestalten sich auch ihre Übungen im Anschluss an viele Märchen, die Visualisierungsübungen gleichen. In ihren Gedanken offenbart sie dem Leser die Parallelen zwischen Märchen und Realität, deutet Objekte, Figuren und deren Handlungen. Jedes Märchen, das die Autorin ausgewählt hat, weist mal einen klaren, mal einen versteckten Zusammenhang mit dem Tod auf. Jedoch macht sie deutlich, dass jedes existierende Märchen mehrere Bedeutungsebenen hat und ihre Auswahl an (besonders geeigneten) Märchen beliebig und individuell erweitern werden kann.

Die Autorin geht in ihren Themenbereichen auf das Auswählen, Vorlesen, Erzählen, Bedeuten und Malen von Märchen ein. Danach erläutert sie Märchenarbeit im Allgemeinen, mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Angehörigen und speziell Betreuern. Wichtig an dieser Stelle sind auch die jeweiligen Fallbeispiele, die Jana Raile aus ihrer persönlichen Arbeit mit uns teilt. Darin beschreibt sie Situationen mit Gruppen und Einzelpersonen aus ihrer aktiven Trauerbegleitung mit Märchen, in denen Menschen besonders positiv von ihrer Märchenarbeit beeinflusst wurden. Hierbei kann man schön sehen, wie behutsam und wirkungsvoll sie Märchen anwendet, sodass die Menschen ganz leicht selbst den für sie springenden Punkt im Märchen feststellen. Auf mich wirkt dies wie eine Art milde Therapieform, die mithilfe des Märchen-Impulses sogar zur Eigentherapie eingesetzt werden kann.

So ist für jede Altersgruppe und jede Position (ob Trauernder, Sterbender oder Betreuer) die passende Anleitung dabei. Am Buchende führt sie noch eine Märchenliste auf, in der nach Stichworten viele Märchen thematisch geordnet sind, um zu einem bestimmten Thema oder Impuls schnell das passende Märchen zu finden. Eine schöne Idee!

Alles in Allem sind die Märchen sehr gut beschrieben und knapp genug gefasst, sodass man ohne Mühe Märchen aussuchen, täglich vorlesen und einfach einstudieren kann. Die Autorin wählt für ihre Texte – statt einer fantastischen – eine angemessene moderne Sprache, die alten und jungen Lesern/Zuhörern gleichermaßen ansprechend erscheinen mag. Sie erkennt im Inhalt der Geschichte genau, was das Wesentliche, und was nur Ausschmückung ist.

Dieses Buch macht Hoffnung, mit einfachsten, spielerischen Mitteln andere oder sich selbst in der Trauer begleiten zu können. Das Ziel dabei ist, dass sich der Betroffene seine schwere Situation nicht selbst noch schwerer macht, sondern über den Weg des Märchens in seiner Seele erkennt, wie er seinem Schicksal nun am besten begegnen kann.

Textauszug aus „Trauerbegleitung mit Märchen“ (Kapitel: Märchen bedeuten)

„Leben und Tod ist der übergreifende Wandlungsprozess, der unser ganzes Sein bestimmt. Deshalb erzählen Märchen uns primär von Leben und Tod. Der Wandel ist nicht nur notwendig, er ist unausweichlich. Unsere Entscheidungsfreiheit beschränkt sich darauf, ob wir uns dem Wandel widersetzen, was Leiden nach sich zieht, oder uns dem Wandel hingeben, so dass wir wachsen können und lebendig sind. Wandel ist mit Aufgaben verbunden und der Prüfung, ob wir bereit oder überhaupt fähig sind, sie zu bewältigen. Märchen zeigen Wege der Verwandlung auf. Deshalb können sie Sterbenden und Trauernden ein Begleiter sein.“

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