„Liebe radikal“ von Veit Lindau (Rezension)

Ein Buchtipp in Zusammenarbeit mit Connection. Rezension von Christiane Barth

Liebe radikal»Dasselbe Bett bedeutet nicht dieselbe Welt« – ob man ihn mag oder nicht, Fakt ist: Veit Lindau spricht Klartext. Er konfrontiert, provoziert und analysiert mit scharfem Blick, ohne dabei langatmig zu psychologisieren. Das Thema: Liebe, Beziehung, und all das, was uns dabei blüht.

Es geht ums Einlassen. Damit hatte der Autor selbst so seine Probleme. Wir kennen seine radikale Wahrheitssuche bereits von Veröffentlichungen wie »Heirate dich selbst«. Lindau ist längst kein Unbekannter mehr und lässt seine Leser, Seminarteilnehmer oder Klienten an seinem eigenen Entwicklungsprozess en Detail teilhaben. Dabei geht er kompromisslos vor und erinnert in seiner Radikalität an den Advaita-Lehrer Madhukar.

»Eine glückliche Beziehung ist kein Geschenk, sondern eine Kunst«, meint Veit Lindau. In dieser Kunst übt er sich seit zwanzig Jahren mit seiner Frau Andrea. Leicht ist es offenbar auch ihm nicht gefallen, gesteht er doch: »Nach meiner Schulzeit habe ich über zehn Jahre hinweg jede wichtige Beziehung in den Sand gesetzt«. Mit jeder Menge Kollateralschaden. Dafür fungiert er heute, mit 45, als gefragter Lehrer in Beziehungsangelegenheiten.

»Sich wirklich einzulassen heißt sterben« – angenehm sind seine Hinweise, die wie wachrüttelnde Faustschläge wirken können, beileibe nicht immer, wenn er etwa sagt: »Du wählst das eine und stirbst bewusst für eine andere Option«. Dass eine Beziehung ein dynamischer Prozess ist, der ständig unserer Wachsamkeit bedarf und der von uns brutale Ehrlichkeit einfordert, dürfte dem Leser bald nach den ersten Seiten des Buches klar geworden sein. Plakativ nimmt uns Veit Lindau auch noch die letzten Illusionen, wenn er das wechselseitige Geben und Nehmen mit einer Sparkasse vergleicht. »Ist das Beziehungskonto stark im Plus, erlebt ihr viel Freude, Vertrauen und Nähe«. Ist es dagegen im Minus, dann führe jeder neue Lapsus zu einer weiteren, massiven Schwächung: »Eine Beziehung, die ihren Dispokredit ausgeschöpft hat, ist nicht mehr belastbar «.

Er schlachtet Mythen wie »Du verdienst es, geliebt zu werden, wie du bist« und knallt uns Sätze vor die Füße wie: »Gute Beziehungen sind auch Dienstleistungen«. Ein guter Deal also. Arg festhalten müssen sich alle Romantiker auch, wenn der temperamentvolle Lindau feste Regeln in der Liebe für unverzichtbar hält: Wesentliche Vereinbarungen seien die Karabiner einer Beziehung, »der Sicherheitsboden, auf dem ihr tanzen könnt«. Schmetterlinge im Bauch also reichen seiner Meinung nach nicht aus für dauerhaftes Liebesglück: »Du bist verantwortlich da – für, dass deine Liebespartner dir mit Respekt begegnen, und das geht nur, wenn du dich und deine Regeln selbst akzeptierst«.

Und um auf die Sache mit »demselben Bett« zurückzukommen: Für eine echte Verbindung brauche es eine geistige Schnittmenge in Form von Werten, Interessen, Perspektiven und Überzeugungen. Wird diese nicht erkannt und gepflegt, verödet die Beziehung, meint Lindau. Und was ist nun das Geheimnis einer guten Beziehung? Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation. Wenngleich jemand, der gut redet, nicht unbedingt erfolgreich kommuniziert, und ein anderer, der sich stumm in die Wüste zurückzieht, dennoch imstande ist, mit uns allen zu sprechen. »99 Prozent aller Konflikte mit Andrea wurzelten nicht in einem echten Problem, sondern in einem Missverständnis: Wir sprachen aufeinander ein, aber wir verstanden uns nicht«. Gold wert sind auch seine Winke mit dem Zaunpfahl: Forderungen bauen Mauern, Wünsche öffnen Türen.

Lindau macht mit der Machete Mut zur absoluten Hingabe, wenn er sagt: »Ich lade dich ein, die Welt zu heiraten «. Er spricht von den sieben Phasen des Erwachens, vom Verlieben bis zu jenem heiligen Feld, in dem kein Ich und Du mehr existieren: »Deine Beziehungen haben nicht den Zweck, dein Ego zu sättigen «. Und was wohl auch ihm am schwersten gefallen sein dürfte, ist, das Feuer der Nähe auszuhalten. Gute Übungen wie das »Liebe radikal Experiment« komplettieren das Buch.

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