Hadithe als Quelle der Weisheit & Menschlichkeit (Buchtipp v. Natascha Stevenson)

 Essay & Buchtipp von Natascha Stevenson

© sam7 / photocase.de
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„Reich sein ist nicht, viel zu besitzen, viel mehr ist man im Herzen reich.“ (Hadith)

In jedem Menschen –  ob religiös oder atheistisch, rein spirituell oder noch unentschlossen – schlummert die Sehnsucht nach Weisheit und Menschlichkeit, Frieden und Glück. Immer wieder stellt man sich dann die Frage, wie man diese Sehnsucht befriedigen kann, wie man ans Ziel kommt, und wie man ein besserer Mensch wird, für sich und andere. Darauf findet man Antworten im Leben, in Konflikten, im Außen und Innen, und in Büchern verschiedenster Art. Oft geht uns die Fokussierung auf das Wesentliche der Weisheit bei der Fülle an Informationen verloren und am Ende verlieren wir uns selbst.

Da es unzählige, individuelle Wege gibt, auf den „geraden Weg“ zu kommen, der wohlmöglich bei konsequenter Durchführung zum berühmten Weltfrieden führen könnte, habe ich nicht den Anspruch mit dem Folgenden die ultimative Lösung gefunden zu haben, denn letztlich geht es für jedes Individuum auch immer darum, ob und wie es Worte in Taten umsetzt. Doch als Inspirationsquelle kann es allemal dienen – denn Menschlichkeit ist ein universelles Gut und ab und zu muss man einfach wie ein Kind nur daran erinnert werden, wie das nochmal geht.

„Keiner von euch gilt als gläubig, solange er seinem Bruder oder seiner Schwester nicht wünscht, was er für sich selbst wünscht.“ im Islam, wie auch nach dem biblischen Zitat „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Egal wie viele Religionen es geben mag – am Ende gibt es natürlich nur eine gemeinsame Weisheit und nur eine gemeinsame Menschlichkeit, die wir alle miteinander teilen, da wir alle derselben Quelle entspringen. Wer sich schon einmal ein wenig näher mit dem Islam und seinen grundlegenden Schriften auseinandergesetzt hat, dem sind Koran und Hadith ein Begriff. Der Koran ist das Gottesbuch der Muslime, vergleichbar mit der Bibel. Hadithe gehören in eine extra Kategorie, denn sie sind nicht „Gottes Wort“, sondern überlieferte Zitate des Propheten Mohammed. Die Bibel enthält ja bereits viele Zitate des Propheten Jesus. Im Islam werden dagegen „Gotteswort“ und „Prophetenwort“ durch Koran und Hadith-Sammlungen getrennt behandelt. Diese Hadithe sind also wortwörtliche oder sinngemäße Zitate, die sich vorrangig mit spiritueller Weisheit für die alltägliche Lebenspraxis befassen. So gesehen ist dies also mit einem Lebensratgeber zu vergleichen, der grundsätzlich bis heute aktuell geblieben ist. Dennoch gibt es auch einige Muslime, die sich allein auf den Koran als Quelle beziehen und den Hadithen keinen Glauben schenken, weil sie deren Authentizität und Echtheit anzweifeln (mehr dazu auf diesem Wissensportal www.alrahman.de und der aktuellen MYSTICA-Rezension zu „Schlüssel zum Verständnis des Koran“). Auch ist wichtig zu erwähnen, dass grundsätzlich nicht allen Hadithen gleich viel Bedeutung und Wahrhaftigkeitsanspruch zugemessen wird, denn viele haben sich bereits als tatsächlich erfunden herausgestellt. Es bleibt also die Aufgabe des einzelnen, selbst zu hinterfragen um beurteilen zu können. Auch hier gibt es wieder viele Lektüren (siehe Buchtipps unten), die einen darin unterstützen wollen.

Religiöse Weisheiten sind für mich nicht grundsätzlich Frage des Glaubens, sondern einer gesunden Ethik und Lebensmoral, unabhängig von jeglicher Art von Zugehörigkeit und Kategorie. Das friedvolle Zusammenleben durch Respekt und Verständnis füreinander, gegenüber Gleichgesinnten sowie eben auch nicht Gleichgesinnten, ist die logische Folge eines Naturgesetzes – also göttlichen Gesetzes – dem niemand entgehen kann. Und manchmal sind diese kollektiven Gesetzmäßigkeiten so einfach und plausibel, dass man sich allein auf deren Existenz ausruht und sie nicht weiter beachtet. Umso wichtiger ist es, sich ihrer immer wieder bewusst zu werden.

Um die aus einer westlich geprägten Sichtweise schönsten und sehr leicht nachvollziehbaren Hadithe mit unseren Lesern zu teilen, habe ich eine kleine, durchmischte Auswahl getroffen, die die Menschlichkeit und universelle Lebensweisheit vor Augen führen soll, die unter anderem eben auch in der islamischen Religion Zuhause ist:

  • „Das Gleichnis der Gläubigen in ihrer Freundschaft, Barmherzigkeit und ihrer Sympathie miteinander ist wie ein Körper; wenn ein Teil davon leidet, leidet der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber.“
  • „Hilf deinem Bruder, ob er ein Unterdrücker ist oder unterdrückt wird. (Wie kann ich einem helfen, wenn er ein Unterdrücker ist?) …Indem du ihn hinderst, Unrecht zu tun. Das ist wahrlich eine Hilfe für ihn.“
  • „Die obere Hand ist besser als die untere Hand. Und die obere Hand ist die Gebende, und die untere Hand ist die, die bettelt.“
  • „Ein Bedürftiger ist nicht der, der um ein oder zwei Datteln bittet oder ein, zwei Bissen; viel mehr ist bedürftig, wer sich zurückhält (und nicht bettelt, obwohl er in Not ist).“
  • „Drei Dinge im Leben sind zerstörerisch: Zorn, Gier und Selbstüberschätzung.“
  • „Kräftig ist nicht derjenige der ringt, viel mehr ist kräftig, wer sich nicht gehen lässt, wenn er geärgert wird.“
  • „Drei Dinge begleiten den Verstorbenen (zum Grab): seine Familie, sein Vermögen und seine Taten. Zwei davon kehren zurück und ihm bleibt (nur) eines: Seine Familie und sein Vermögen kehren zurück. Seine Taten bleiben bei ihm.“
  • „Wenn der Mensch gestorben ist, hören seine Werke auf, außer drei: andauernde Wohltätigkeit, das Wissen, das anderen Nutzen bringt und rechtschaffene Nachkommen, die Bittgebete für ihn sprechen.“
  • „Die Religion ist einfach. Wer den Glauben streng macht, wird überwältigt. Deshalb übertreibt und untertreibt nicht, und seid damit zufrieden und sucht Gottes Hilfe im Gebet am Morgen und Abend und etwas im letzten Teil der Nacht.“
  • „Bankrott ist in meiner religiösen Gemeinschaft derjenige, der am Tage der Auferstehung mit seinen Gebeten, seinem Fasten und seinen Almosen kommen wird, der aber diesen beschimpft und jenen verleumdet hat, dem einen den Besitz genommen und des anderen Blut vergossen hat und jene geschlagen hat.“
  • „Der schlimmste Feind, den ihr habt, ist das niedere Selbst zwischen euren Seiten.“
  • „Es gibt zwei Gaben, die viele Menschen vergeuden: die Gesundheit und Freizeit.“
  • „Strebe nach dem, was dir nützt, bitte Gott um Beistand und sei nicht unfähig! Sollte dir etwas passieren, dann sage nicht: Wenn ich doch nur dies und jenes getan hätte! Aber sage: Gott hat es bestimmt und was sein Wille ist, macht Er. Denn ‚wenn‘ öffnet dem Satan die Tür.“

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