„Die prophetische Medizin“ (Rezension)

Rezension von Natascha Stevenson

die prophetische MedizinHeilwissen stammt – wie allgemein bekannt – aus zahlreichen Kulturen und Religionen. Ebenso haben namenhafte Persönlichkeiten, wie Hildegard von Bingen, oder Ärzte, zum Beispiel Hippokrates, die Ansichten über Medizin und Gesundheit in unseren Breitengraden geprägt. Ethnomediziner bedienen sich fremden, alten Weisheiten genauso, wie dies aktuell Ärtze und Heiler mit „alternativer Medizin“ tun.

Manche Wissensquellen sind uns also ein Begriff, während andere unserer abendländischen Welt eher verbrogen scheinen. Denn es stellt sich die Frage: Wie sehr könnte uns womöglich das spirituelle und medizinische Wissen der morgenländischen, arabischen, und genauer gesagt islamischen Welt bereichern, welches wir bisher so wenig betrachtet haben? Könnten wir unsere eigenen, gewohnten Vorstellungen darin vielleicht sogar bestätigt sehen? Sind Schutzengel oder Schröpftechniken, Besetzungen und Fremdenergien, Heilrituale und Segnungen möglicherweise auch fester Bestandteil islamischer Medizin? Dank der heutigen Möglichkeit Sprachbarrieren leicht zu überbrücken, muss auch uns die ganzheitliche Medizin aus dieser Religion nicht mehr verborgen bleiben!

Dieses Buch ist eine Übersetzung (von Muhammad Jozic) der arabischen Originalversion des Gelehrten Ibn Qaiyim al-Dschauzīya aus dem dreizehnten Jahrhundert. Es ist nicht verwunderlich, dass wir mit diesem Namen nichts verbinden, doch in der muslimischen Welt hat sich der Autor und Theologe mit seinen Standartwerken einen umso größeren Namen gemacht. Die „Prophetische Medizin“ ist als Begriff selbst bei Wikipedia zu finden und meint damit ganz allgemein die islamische Heilkunde und Gesundheitslehre, welche natürlich von mehreren muslimischen Gelehrten über die Zeit hinweg thematisiert und studiert wurde. Das Buch liefert die Zusammenfassung, Erläuterung und Beschreibung des Heilwissens durch den muslimischen Prophet Mohammad, das über Hadithe (Hadi) festgehalten und bis heute weitergegeben wurde. Warum für den Autor aber nicht alle Hadithe Wahrheitsanspruch haben müssen, erläutert er in der Einleitung und beweist damit gleichzeitig einen durchaus kritischen, verstandesmäßigen Standpunkt.

Nach mehreren Einleitungstexten beginnt es mit dem Kapitel „Das Benutzen von natürlichen Heilmitteln„, gefolgt von 48 Unterkapiteln. Daraufhin erfährt man im zweiten Kapitel von „natürlichen Arzneien, seelischen Heilmitteln, einzelnen göttlichen Heilmitteln und deren Anwendung„, ebenfalls gefolgt von über 40 Unterpunkten. Zuletzt werden ganze 140 Heil- und Nahrungsmittel alphabetisch aufgelistet und mit Wirkung und Anwendung beschrieben. Es fasst ca. 380 Seiten und enthällt ganz hinten einen kleines, nützliches Glossar für die Erklärung bzw. Definition verwendeter arabischer Begriffe.

Sehr erstaunlich ist an diesem Werk, wie nahe es dem heutigen, spirituellen Geist unserer Zeit kommt, scheinbar bereits viel diskutierte Gesundheitsfragen in einem ganzheitlichen Sinne beantwortet und daher sehr gut mit unserer modernen Alternativ-Medizin vereinbar wäre! Ähnlich der Vier-Säfte-Lehre oder fernöstlicher Heilkulturen spielen hier elementare Faktoren eine Rolle bei Krankheitsursachen:

„Für den abnormalen Zustand gibt es Ursachen im Inneren des Körpers, da der Körper sich aus Kälte, Hitze Feuchtigkeit und Trockenheit zusammensetzt.“

Auch kommt der Ernährung in der prophetischen Medizin eine entscheidende Bedeutung zu. Darum werden Eigenschaften und Wirksamkeit vieler Nahrungsmittel beschrieben:

„Qiththa (kleine Gurke)

[ … ]Qiththa ist zweitgradig kalt und freucht und sie kühlt die Hitze des Magens. Sie verdirbt nicht so schnell und schafft bei Prostataschmerzen Abhilfe. Ferner zeigt sie bei Übelkeit Wirkung und ihre Samen wirken harntreibend. Ihre Blätter helfen, als Verband appliziert, bei Hundebissen. Qiththa ist nicht leicht verdaulich und ihre Kühle schmerzt manchmal im Bauchbereich, weshalb man sie zusammen mit etwas essen sollte, was ihre Kälte und Feuchtigkeit etwas abmildert, so wie der Prophet es duch den gemeinsamen Verzehr mit reifen Datteln tat. Auch Rosinen oder Honig machen sie dem Magen zuträglicher.“

Außerdem hat die geistige, spirituelle Heilarbeit – vergleichbar mit Energiearbeit und Schamanismus – dabei mindestens genauso viel Bedeutung wie die Heilung auf rein körperlicher Ebene. Hier einige Passagen, die für die Wichtigkeit spiritueller und seelischer Aspekte sprechen:

„…um zu einem bösen Jinn zu sprechen, welcher von einer Person Besitz ergriffen hatte, also sagte der Geschickte:“ [ … ]Verschwinde aus diesem Körper, denn es ist dir nicht erlaubt in ihm zu sein.“[ … ] Manchmal sprach unser Scheich sogar persönlich mit dem bösen Geist bzw. Jinn oder nutzte physische Bestrafung, um den aufsässigen bösen Jinn zurückzudrängen.

[ … ]Die bösen Jinn merken, dass diese Menschen angreifbar sind und so ergreifen sie Besitz von ihnen. [ … ]Wenn die Wahrheit offen läge, würden wir sehen, dass der Großteil der Menschheit unter dem Einfluss negativer Wesen (Arwah) steht, welche die Menschen, entsprechend ihren üblen Wünschen in die Irre leiten. Die Menschen sind unfähig sich selbst aus diesem Griff zu befreien oder sich ihm zu widersetzen. [ … ] Die durch das Böse verursachte Besessenheit (Besetzung), ist wahrlich schwerwiegend, aber da sie so viele Menschen betrifft und so verbeitet ist, überrascht sie die Menschen nicht mehr. Da es so viele davon gibt, ist es eher befremdlich, jemanden zu sehen, der nicht davon betroffen ist.

[ … ]Der Krieg zwischen Gut und Böse ähnelt dem Krieg der Menschen. Die geistigen Kräfte benutzen physische Körper in ihren Kriegen gegeneinander. Wer sich nur um die materielle Welt kümmert, wird nichts von diesem tobenden Krieg bemerken, da er mit jenem Weltbild, nämlich der materiellen Welt, fest verschmolzen ist…“

Weisheiten über den allgemeinen Erhalt von Gesundheit und Weg zur Genesung werden ebenfalls beschrieben:

„[ … ]Nach einer Weile werden jene, die das Begehen von Üblem und Sündigem gewohnt sind, davon gelangweilt. Und dann werden sie den erwähnten Irrweg einschlagen, um sich von der Bedrücktheit und gefühlten Einsamkeit zu befreien. Ähnlich dem, was Scheich Al-Fusuq einst sagte: ‚Das eine Glas (Alkohol) trank ich zum Vergnügen und das andere trank ich, um die Wirkung des ersten Glases zu behandeln‘.

[ … ]Tatsache ist, dass wenn ein Kranker etwas hört, was einem Herzen Freude und Beglückung bereitet, sein Körper gestärkt wird, um mit der Krankheit fertig zu werden. 

[ … ]Auch führt die Heilung zu dem Wissen, dass die Auswirkung der Katastrophe das ist, was man letztlich aus ihr macht: Jene die mit der Misere zufrieden sind, werden Zufriedenheit erhalten, während jene die vor Wut aufgebracht sind, Wut ernten werden. Somit wird das Unheil einen nur so stark treffen, wie man es ihm erlaubt.“

Die Inhalte des Buches sind bis heute aktuell, auch wenn immer wieder historische Gegebenheiten angesprochen werden. Die Texte erfodern zum richtigen Verständnis einen scharfen, spirituellen Geist und die Bereitschaft in eine neue Welt einzutauchen. Natürlich wäre auch ein einfaches Grundwissen im Hinblick auf den Islam hilfreich, da sprachliche Ausdrücke manchmal an die religiösen Vorstellungen geknüpft sind – doch ist es keine unbedingte Voraussetzung. Es ist ein aufwendiges, anspruchsvolles Buch mit ernstgemeinten Ratschlägen für eine ideale Gesundheit im Sinne von Körper-Geist-Seele!

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