Der Bär, der zum Achtsamkeitslehrer wurde – Susanne Fischer-Rizzi und Doris Iding

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© polarbär / photocase.com

In einem Gespräch mit Doris Iding erzählt die bekannte Autorin Susanne Fischer-Rizzi von einer Begegnung mit einem Bären, die ihr Leben veränderte.

Von Doris Iding

Seit über drei Jahrzehnten beschäftigt sich die Heilpraktikerin und Erfolgsautorin Susanne Fischer-Rizzi mit der Natur. Sie war Lehrling bei vielen einheimischen Kräuterheilkundigen und studierte in Indien ayurvedische und indische Kräuterheilkunde. Heute vermittelt sie ihr Wissen in der von ihr gegründeten Schule für Heilpflanzenkunde, Aromatherapie und Wildniswissen sowie durch ihre Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Die Natur ist ihr „Zuhause“. Die Macht der Natur, die für Menschen auch lebensbedrohlich sein kann, erfuhr sie bei einer Kanutour durch die Wildnis im Norden Kanadas. Sie hatte sich einer Reisegruppe angeschlossen und durch die Unachtsamkeit einiger Mitreisender wurde die Gruppe von einem Bären angegriffen, eine Teilnehmerin schwer verletzt. Eine Indianerin, die die Gruppe begleitete konnte einen zweiten Angriff des Bären verhindern. Sie wandte dazu eine uralte schamanische Technik der Indianer an: mit einem „Bärenlied“ brachte sie das Tier dazu, nicht anzugreifen. Und doch, es war ein Albtraum – der sich im Nachhinein, nach der Betreuung der Indianer, als eine tiefe und wertvolle Erfahrung zeigte. Für Susanne Fischer-Rizzi hatte sich eine weitere Tür zur Natur geöffnet – zum Verständnis der totalen Achtsamkeit, einem Grundgesetz des Draußen seins und der Verbundenheit aller Lebewesen.

Wie würden Sie sich selbst in ein paar Sätzen charakterisieren?

Ich liebe die Natur seit meiner Kindheit und fühle mich dem Leben in der Natur sehr verbunden. Ich möchte dazu beitragen, das unterbrochene Band zwischen Menschen und der Natur wieder neu zu knüpfen. Dadurch, dass viele Menschen von der Natur die sie umgibt entfremdet sind, entsteht oft ein Gefühl der Unsicherheit, Angst und Abgeschnittenheit von den Abläufen des Lebens.

Ist die Nähe zur Natur trotz unseres technologischen Fortschritts noch bedeutend?

Ich sehe, dass wir in immer extremerem Maße darunter leiden, nicht mehr mit der Natur verbunden zu sein. Wir bräuchten eine „Auszeit von der Zivilisation“ in der wir zum Beispiel wieder unsere eigene Zeit finden können. Einige Zeit in der Natur zu verbringen, ohne Uhr und ohne Handy, schenkt uns die Möglichkeit die lebendige, balsamische Zeit, wie Paracelsus es nennt, zu erleben. Dies ist eine andere Zeit als die, die uns seit der industriellen Revolution beherrscht. Vorgänge können sich dann in einem Maße dehnen und strecken, wie es ihrer Natürlichkeit entspricht. Die Zeit „weitet sich“ dann im Menschen und ermöglicht es, im Hier und Jetzt zu leben. Dies kann geschehen, wenn wir zum Beispiel eine Libelle tanzend über dem Wasser beobachten, einen Fuchs federnd über die Wiese schreiten sehen oder einfach nur am Feuer sitzen und unseren Gedanken nachgehen.

Gab es für Sie eine Art ein Schlüsselerlebnis, bei dem Sie gespürt haben, dass Ihre Aufgabe darin besteht, die Menschen unserer heutigen Zeit mit dem Lebendigen, das sie umgibt, zu verbinden ?

Die tiefe Verbundenheit mit der Natur besteht wahrscheinlich seit meinem 12. Lebensjahr, als mein Großvater mir ein Kräuterbuch schenkte. Seitdem begeistern mich die Heilpflanzen. Später dann, nach dem Abitur, in einem tibetischen Kloster, berührt durch ein spirituelles Erlebnis, sah ich mein Leben vor mir liegen und fällte die Entscheidung, meine Liebe zu Pflanzen dafür einzusetzen, anderen zu helfen. Diesem Weg bin ich seitdem gefolgt. Auch nach dem Erlebnis mit dem Bären in Kanada fiel mir die Aufgabe zu, Natur und Mensch zu verbinden. Ich hatte eigentlich nicht vor ein Buch über Tiere  zu schreiben. Die Indianerin, die uns auf unserer Tour begleitete und uns mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten in Erstaunen versetzt hatte, brachte uns mit dem Medizinmann ihres Stammes zusammen. Ihm gelang es, unsere seelischen Wunden und Ängste nach dem Bärenüberfall zu heilen und er gab auch jedem von uns eine Aufgabe mit nach Hause. So wurde mir aufgetragen, das was ich von ihm und den anderen Indianern über die Verbundenheit von Mensch und Tier gelernt hatte, in einem Buch weiterzureichen. Nach meiner Rückkehr aus Kanada arbeitete ich 2 Jahre an diesem Werk und so ist „Tierverbündete“ entstanden.

Wie haben Sie die Erfahrung des Bärenangriffes mit in das dem Leben hier in Deutschland integrieren können?

Die Natur hier erscheint nicht so gefährlich, wie zum Beispiel in Kanada. Es gibt hier keine wilden Tiere mehr, die uns angreifen. Und doch können wir einige der Grundlektionen der Natur auch hier üben: Achtsamkeit, Verantwortlichkeit und das Eintauchen in die Abläufe des Lebendigen. Meine Angst und mein Schreck vor dem angreifenden Bären hat sich inzwischen in einen großen Respekt und in Dankbarkeit der Natur gegenüber gewandelt. Beeindruckt von der Indianerin, die durch ihr tiefes Verständnis der Natur uns quasi das Leben gerettet hat, bin ich noch mehr zum Lehrling der Natur geworden. Meine Kenntnis um mein Vertrauen zur Verwobenheit der materiellen und nicht materiellen Welt hat sich seither noch mehr verfestigt.

Viele Menschen gehen in die Natur, um wieder Kontakt zur Natur zu bekommen. Dann sind sie aber oft nicht in der Lage, sich dort entsprechend zu verhalten. Tiere und Pflanzen werden durch die Unachtsamkeit der Menschen gefährdet. Was sollen wir tun? Nur in Parks gehen, wo die Tiere und Pflanzen vor uns geschützt sind?

Um im Kontakt mit der Tier und der Pflanzenwelt zu kommen, muss man nicht unbedingt nach Kanada reisen. Die Natur liegt vor unserer Haustür. Wir sind oft Fremde in unserem eigenen Land. Kennen die Vögel, die Säugetiere,  die Pflanzen nicht, die um unserer Haus herum oder in unseren Wäldern leben. Auch eine Stadt ist voller Tiere mit denen wir in Kontakt treten können. Schauen Sie doch einfach auf den nächsten Baum oder einmal bei einem Halt an der Ampel hoch zum Himmel. Sie werden dort fast immer Vögel entdecken. Die Natur ist da, wo wir sind.

Vielen herzlichen Dank für das Interview.

Von Doris Iding

Literatur von Susanne Fischer-Rizzi:
„Tierverbündete“, Die Seelenverwandtschaft von Mensch und Tier, AT-Verlag Baden,
„Medizin der Erde“, Heilanwendung, Rezepte und Mythen unserer Heilpflanzen
„Botschaft an den Himmel“, Anwendung, Wirkung und Geschichten von duftendem Räucherwerk
„Himmlische Düfte“, Anwendung wohlriechender Pflanzenessenzen und ihre Wirkung auf Körper und Seele
„Blätter von Bäumen“, Heilanwendung, Rezepte und Mythen unserer Bäume
„Gold in der Küche“, Das Safrankochbuch

Doris Iding ist Ethnologin und Yogalehrerin. Sie lebt und arbeitet in München als freie Journalistin, Ghostwriterin für die Themenbereiche Spiritualität, Psychologie und Sie unterrichtet auch als Dozentin bei Yogalehrerausbildungen zum Thema Yogaphilosophie. Sie praktiziert seit Jahren Meditation, ist in mehreren buddhistischen und der yogischen Philosophie zu Hause und hat in ihrer Journalistin viele große Meister persönlich kennengelernt interviewt.

www.doris-iding.de

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